Oberflächenqualität: was sie ausmacht, was sie kostet
Ein Druck wächst Lage für Lage, und das sieht man ihm an. Wie stark, entscheiden drei Dinge: das Verfahren, die Schichthöhe und die Lage des Teils im Bauraum. Zwei davon kosten Druckzeit. Das dritte kostet nur eine kurze Angabe von dir, nämlich welche Flächen am Ende zu sehen sind.
Den größten Sprung bringt das Verfahren: SLA kommt auf Ra ~1–3 µm, FDM auf Ra ~6–12 µm. Danach folgt die Schichthöhe, und an dritter Stelle steht die Ausrichtung im Bauraum. Mit diesen drei Größen ist fast alles erklärt, was man an einem Druck sieht und mit dem Finger spürt. Was jede Entscheidung an Zeit oder Geld verlangt, steht weiter unten.
Am deutlichsten tritt der Lagenaufbau auf schrägen und gewölbten Flächen hervor. Dort laufen feine Linien quer über die Kontur — kein Mangel, sondern Bauart. In Zahlen: unbearbeitet liegt ein FDM-Teil bei Ra ~6–12 µm, ein Teil aus dem SLA-Prozess bei Ra ~1–3 µm. Damit kommt SLA rund drei- bis zehnmal glatter aus der Maschine, bevor jemand die Hand anlegt. Beide Zahlen sind Erfahrungswerte für das Verfahren und keine Zusage für eine einzelne Fläche.
Schichthöhe und Rauheit je Verfahren
Erfahrungswerte aus der Praxis. Dünnere Lagen glätten die Fläche und verlängern die Druckzeit.
Fünf Einflüsse, einzeln betrachtet
Ausrichtung und Treppeneffekt: Flache Lagen nähern eine schräge oder runde Fläche in Stufen an. Bei einer flach auslaufenden Neigung sieht man das am stärksten, an senkrechten und waagerechten Flächen am wenigsten.
Schichthöhe: Dünne Lagen glätten und verlängern die Druckzeit, was am Ende Geld kostet. Dicke Lagen laufen zügiger durch und lassen die Linien deutlicher stehen.
Verfahren: Resin im SLA-Prozess erreicht ohne Zutun Ra ~1–3 µm, FDM liegt bei Ra ~6–12 µm. Dafür trägt FDM mehr Last und geht bei großen Teilen leichter.
Stützen und Überhänge: Jenseits von etwa 45° Überhang trägt eine Stütze mit. An der Kontaktstelle bleibt eine rauere Spur, solange niemand sie nacharbeitet.
Elefantenfuß an der ersten Lage: Die erste Lage wird ans Druckbett gedrückt und dadurch minimal breiter. Eine Fase an der Unterkante oder ein kurzer Schliff nimmt das wieder weg.
Stufen entstehen, weil eine runde oder schräge Kontur aus flachen Lagen zusammengesetzt wird. Zwei Dinge machen sie kleiner: eine geringere Schichthöhe und eine steilere Fläche. Läuft eine Neigung dagegen flach aus, treten die Stufen am deutlichsten hervor.
Welches Verfahren für eine Sichtfläche?
Soll eine Sichtfläche glatt und detailreich werden, liegt SLA mit Resin vorn: Ra ~1–3 µm ohne jede Nacharbeit. Muss ein größeres Teil vor allem halten, gewinnt FDM, und die Sichtseiten arbeiten wir danach gezielt nach.
SLA im DetailKippt eine Fläche stärker als etwa 45° nach außen, trägt während des Drucks eine Stütze mit. An jeder Kontaktstelle bleibt danach eine Markierung zurück. Wir legen das Teil deshalb so in den Bauraum, dass wenig Stützmaterial nötig ist und die Markierungen dort landen, wo später niemand hinschaut.
Was Nacharbeit bringt, und wo sie endet
Messbar glatter wird eine Fläche dadurch auf jeden Fall. Am Verfahren ändert sich nichts: der Aufbau aus Lagen bleibt. Die gängigen Wege im Überblick:
- Schleifen über steigende Körnungen, die feinen Schritte nass: damit verschwinden die Schichtlinien, und FDM landet bei Ra ~1,6–3,2 µm.
- Dampfglätten verflüssigt bei ABS und ASA mit dem passenden Lösemittel die äußere Haut. Ergebnis ebenfalls Ra ~1,6–3,2 µm, und zwar ohne dass Material dazukommt.
- Polieren bringt den Glanz hinterher. Gut wird er nur, wenn der Schliff darunter stimmt.
- Grundierung und Farbe füllen die letzten Linien und legen eine gleichmäßige, gefärbte Haut darüber.
- Aushärten bei SLA ist kein Finish, sondern Pflicht: nach dem Waschen entsteht die endgültige Härte erst unter UV-Licht.
Nacharbeit heißt Handarbeit und schlägt deshalb auf Preis und Lieferzeit durch. Was bei deinem Teil und dem gewählten Verfahren möglich ist, hörst du beim Hochladen. Schildere am besten das gewünschte Endbild, dann kommt die Einschätzung dazu, wie weit wir damit kommen.
Lohnt sich die Arbeit an der Fläche?
Ja, bei
- Teilen, die auf den Tisch einer Besprechung kommen
- Teilen, die noch lackiert oder beschichtet werden
- Griffen und allem, was in die Hand genommen wird
- Stücken, über die ein Kunde urteilt
Eher nicht bei
- Teilen im Inneren einer Baugruppe
- Funktionsteilen, wo die Festigkeit vorgeht
- Probedrucken, bei denen nur das Maß zählt
Wie du das Ergebnis mitbestimmst
Nenn beim Hochladen die Sichtflächen und das Niveau, das du dort erwartest. Daraus folgt bei uns alles Weitere: das Verfahren, wobei Feinheit für SLA und Belastung für FDM spricht; die Lage im Bauraum, damit Stützstrukturen und Linien auf Rück- und Unterseite wandern; und die Schichthöhe passend zum Detailgrad. Maximales Detail kostet Zeit: mit der halben Schichthöhe verdoppelt sich die Zahl der Lagen.
Eine Oberfläche ist damit keine feste Eigenschaft, sondern eine Entscheidung mit Preisschild. Willst du selbst weiterarbeiten, sag das dazu: mit dünneren Lagen gehen Schleifen und Grundieren und Lackieren schneller von der Hand, weil weniger abzutragen und weniger zu füllen ist.
Oft gefragt zur Oberfläche
Dazu passt
Maß, Druckrichtung und Nacharbeit gehören zum gleichen Thema.
Sag, wo man hinschaut und wie glatt es dort sein soll. Verfahren, Lage im Bauraum, Schichthöhe und Nacharbeit richten wir danach aus.