Körnung für Körnung zur glatten Fläche

Eine glatte Oberfläche entsteht unter dem Schleifpapier, nicht unter der Lackdose. Lack legt sich über die Rillen und lässt sie danach stärker hervortreten. Welche Körnung wann an die Reihe kommt, wann Wasser dazugehört und was das Material vorgibt, steht hier.

Leestijd8 Min. Lesezeit
CategorieNachbearbeitung

Zum Glätten braucht es wenig: Papier, Wasser und Zeit. Ein FDM-Teil startet bei etwa Ra 6–12 µm, und ein durchgezogener Aufbau von grober zu feiner Körnung bringt es auf grob Ra 1,6–3,2 µm — die Linien sind danach kaum noch zu sehen. Aus dem SLA-Drucker kommt ein Teil mit Ra ~1–3 µm schon weitgehend glatt; dort liegt die Arbeit an den Punkten, an denen die Stützen angesetzt haben.

Dahinter steckt eine einzige Regel: jede Stufe muss die Spuren der vorigen austauschen. Grob wird begonnen, damit Stützreste und Beulen verschwinden, danach geht es in Schritten aufwärts, bis nur noch feine Spuren übrig sind. Wer Stufen überspringt, behält die tiefen Kratzer. Und genau an diesem Punkt gehen die meisten Teile schief: eine Lackschicht schließt die Rillen nicht, sie zeichnet sie nach. Zuschütten kann allein ein Füller, und auch der verlangt eine geschliffene Fläche darunter. Schleifen ist damit die Pflicht, nicht die Kür. Gedruckt wird bei uns mit FDM und SLA; leichte Nachbearbeitung wie Schleifen und das Abtragen von Stützspuren lässt sich machen. Beschreib, wie das Teil am Ende dastehen soll, dann sagen wir, was davon sinnvoll und machbar ist.

Die Stufen und was jede davon leistet

Gängige Körnungen als Erfahrungswerte. Aufwärts arbeiten und keine großen Sprünge machen, sonst stehen die Spuren der vorigen Stufe weiter im Material.

Zielwert bei FDM
Ra ~1,6–3,2 µmAusgangspunkt unbearbeitet: Ra ~6–12 µm
120–180
AbtragenStützreste, Beulen, verlaufene Kanten
220–320
Fläche planenhier verschwinden die Schichtlinien
400–600
Lackfertigab diesem Stand wird grundiert
800–2000+
SeidenglanzPflicht, wenn danach poliert wird
Mit Wasser
sinnvoll ab etwa 400kühlt die Stelle und hält das Papier frei

Mit Wasser oder ohne

Ab Körnung 400 gehört bei Kunststoff Wasser dazu. Es nimmt die Reibungswärme mit, hält das Papier frei von Abtrag und lässt die Fläche gleichmäßiger werden. Bei wärmeempfindlichen Sorten zählt das doppelt: PLA gibt bereits bei etwa 55–60 °C nach, und trocken geschliffen wird die Fläche dann verschmiert statt abgetragen.

Für eine schnelle Korrektur mit gröberem Papier geht es auch trocken. Dabei entstehen allerdings mehr Wärme und viel feiner Staub, also nur mit Maske und bei offenem Fenster. Resin wird ausschließlich nass geschliffen: der Abtrag aus noch nicht durchgehärtetem Harz reizt Haut und Atemwege.

Was das Material vorgibt

  • ABS und ASA: Nehmen Papier gut an und halten mehr Wärme aus, Tg ~100–105 °C. Sehr gute Basis unter Lack; für diese zwei Sorten führt auch der chemische Weg über Vapor Smoothing zu einer gleichmäßigen Fläche.

  • PLA: Gibt bei etwa 55–60 °C nach. Also ohne Eile arbeiten und möglichst mit Wasser, damit nichts verschmiert. Polieren gelingt danach gut.

  • PETG: Zäh und ein wenig gummiartig, neigt zum Schmieren. Am besten mit Wasser und gleichmäßigem Druck; eine Spiegelfläche wird daraus selten.

  • Resin (SLA): Nur nass, mit Handschuhen und Maske, und erst nachdem das Teil durchgehärtet ist. Die Fläche ist bereits glatt, also bleibt punktuelle Arbeit an den Stützpunkten.

  • Flexibel (TPU/TPE): Weicht dem Papier aus und setzt es zu. Auf mechanischem Weg wird flexibles Material kaum richtig sauber.

Das Risiko liegt im Abtrag

Feiner Kunststoff- und Harzstaub hat in der Atemluft nichts zu suchen. Wo Wasser möglich ist, wird nass gearbeitet; trocken nur mit Staubmaske und bei Durchzug. Kommt Resin ins Spiel, gehören Handschuhe dazu, solange das Teil noch nicht durchgehärtet ist.

Der Ablauf einer Schleifrunde

  1. Stützstrukturen abnehmen und überstehende Reste sauber abtrennen, bevor das Papier zum Einsatz kommt.
  2. Die Startkörnung so fein wählen, wie es geht: 120–180 nur an den Stellen, die es wirklich verlangen, sonst geht zu viel Material verloren.
  3. Mit leichtem Druck und wechselnder Richtung arbeiten, damit keine Dellen oder Rillen entstehen.
  4. Stufenweise hochgehen (220 → 320 → 400 → 600 …) und zwischendurch abspülen oder abwischen, weil lose Körner sonst neue Kratzer ziehen.
  5. Die Fläche säubern und trocknen lassen.
  6. Mit einer dünnen Schicht Grundierung prüfen: sie verrät jeden übrigen Kratzer, sodass gezielt nachgearbeitet werden kann, bevor es ans Grundieren und Lackieren geht.

Der Aufwand entsteht vor dem Druck

Wie lange später geschliffen wird, entscheidet die Ausrichtung im Drucker. Senkrechte und waagerechte Flächen kommen am saubersten heraus. Flach geneigte Flächen zeigen den Treppeneffekt am deutlichsten und fressen die meiste Zeit. Rau bleibt außerdem jede Stelle, an der eine Stütze angelegen hat. Nenn beim Hochladen die Flächen, die man später sieht, dann drehen wir das Teil so, dass Stützen und deutliche Linien davon wegbleiben.

Der zweite Punkt gehört ebenfalls vorher geklärt: geschliffen wird Material abgenommen, grundiert und lackiert wieder aufgebaut. Eine eng gerechnete Passung geht danach womöglich nicht mehr zusammen — das Bohrloch wird kleiner, der Steckverbinder strenger. Nenn kritische Maße daher vorab. Welche Spanne dabei überhaupt realistisch ist, steht unter Maßgenauigkeit und Toleranzen. Wie viel Abtrag ein sauberes Finish am Ende kostet, zeigt sich am Teil selbst und wird bei der Anfrage besprochen.

Wann ein anderer Weg schneller ist

Bei ABS und ASA erreicht Vapor Smoothing auch tiefe Ecken gleichmäßig, wo das Papier nicht hinkommt. Soll die Fläche farbig und einheitlich werden, nimmt ein Füller die letzten Linien auf, die nach dem Schleifen noch zu erkennen sind. Für Hochglanz oder ein durchsichtiges Teil geht es bis zur sehr feinen Körnung hinauf und danach ans Polieren. In jedem dieser Fälle bleibt Schleifen die Vorarbeit — was darunter nicht sauber ist, wird darüber nicht besser.

Bei feiner Schrift, kleinen Details und scharfen Kanten gilt das Gegenteil: dort geht weniger Papier in die richtige Richtung, weil solche Formen sonst abrunden. Dann lohnt SLA, denn dieses Verfahren liefert die Feinheit schon ab Drucker und verlangt kaum Nacharbeit.

Dafür ist Schleifen das Mittel

  • Braucht nur Papier, Wasser und Geduld
  • Holt Schichtlinien und Stützspuren sichtbar aus der Fläche
  • Legt die Basis für Füller, Farbe oder Politur
  • Geht auf allen steifen Sorten: PLA, PETG, ABS, ASA, PC, Resin

Hier stößt es an

  • Kostet Zeit, und bei großen oder verwinkelten Formen viel davon
  • Rundet feine Kanten und kleine Details ab
  • Kommt in tiefe Ecken und enge Bohrungen kaum hinein
  • Bringt flexible Sorten kaum auf eine saubere Fläche
Weshalb keine Stufe ausfallen darf

Papier ersetzt Kratzer durch feinere Kratzer — mehr passiert nicht. Stufe für Stufe werden die Spuren dadurch immer kleiner, bis das Auge sie nicht mehr trennt. Ein Sprung von grob direkt auf sehr fein lässt die groben Spuren stehen, und unter Glanz sieht man sie dann erst recht.

Oberflächenqualität

Fragen, die beim Schleifen aufkommen

Weiterlesen

Was nach dem Papier kommt: Politur, Farbe und die spanende Nacharbeit.

Soll die Fläche am Ende glatt und ruhig sein?

Sag uns das Ziel, wir sagen dir den Weg dorthin

  • Druck mit FDM und SLA, Stützspuren nehmen wir ab
  • Rat zu Material und Ausrichtung für eine ruhige Fläche
  • Kritische Maße vorab nennen, dann rechnen wir den Abtrag mit ein
Nachbearbeitung anfragen