Kleinserie: drucken oder ein Werkzeug bauen?
Sobald die Stückzahl in den dreistelligen Bereich wandert, wird die Frage interessant: reicht der Drucker, oder rechnet sich eine Form? Es geht um die Zahl, bei der die Antwort umschlägt, um die Posten neben dem Stückpreis und darum, wie eine Serie vom ersten bis zum letzten Teil gleich bleibt.
Zwei Posten laufen gegeneinander: die Vorleistung und der Preis je Stück. Indikativ schlägt die Rechnung zwischen 250 und 2.000 Stück um, wobei rund 1.000 als Faustregel gilt — darunter ist der Druck für eine Kleinserie in der Regel billiger als ein Werkzeug. Der Grund steckt in der Kostenstruktur. Beim Spritzguss ist der Stückpreis winzig, aber die Form muss vollständig bezahlt sein, bevor überhaupt ein Teil existiert. Der Druck kommt ohne diese Vorleistung aus und läuft dafür pro Stück fast waagerecht mit. Erst wenn die Menge groß genug ist, um das Werkzeug wieder einzuspielen, dreht sich das Verhältnis.
Eine feste Zahl liefert die Sache nicht. Quellen aus der Praxis nennen einige Hundert bis einige Tausend Stück, mit tausend als gängigem Anhaltspunkt; klein, komplex oder noch in Bewegung heißt: der Punkt rutscht nach oben. Also bleibt eine Rechnung pro Projekt. Die Tendenz dagegen liegt fest: kleine Auflage und beweglicher Entwurf sprechen für den Drucker. Woran der Druckpreis selbst hängt, steht unter Faktoren, die den Preis beeinflussen; Form, Material und Werkzeugkosten verschieben den Umschlagpunkt in beide Richtungen.
Drucken gegen Spritzgießen (indikativ)
Allgemeine Branchenwerte, um die Abwägung zu ordnen — kein Angebot. Wo der Umschlagpunkt bei deinem Teil liegt, ist von Fall zu Fall verschieden.
Welcher Weg passt zu deiner Serie?
Drucken passt bei
- Kurzem Vorlauf ohne Werkzeugbau
- Kleinen bis mittleren Stückzahlen
- Bedarf, der unsicher ist oder schwankt
- Produkten, die in mehreren Varianten laufen
- Entwürfen, an denen noch geschraubt wird
Werkzeug prüfen bei
- Teilen mit extrem niedrigem Ziel-Stückpreis
- Sehr großen Mengen identischer Teile
- Zeichnungen, die endgültig freigegeben sind
Mehr als der Stückpreis
Wer nur auf den Stückpreis schaut, rechnet zu kurz. Bis eine Form das erste Teil ausspuckt, gehen Wochen ins Land; ein Druck ist in der Regel nach 7–10 Arbeitstagen unterwegs, was wir bei der Bestellung bestätigen. Kommt eine Änderung, bedeutet das auf der einen Seite ein neues oder nachgearbeitetes Werkzeug, auf der anderen bloß eine neue Datei. Dazu gibt es keine Mindestabnahme: ein Teil ebenso wie fünfzig. Für eine Vorserie und für Produkte, die noch reifen, wiegt diese Beweglichkeit den Vorteil beim Stückpreis meist auf. Wie eine einzelne Bestellung zeitlich abläuft, steht unter Produktion und Durchlaufzeit.
Als dritter Weg ohne Werkzeugkosten steht das Zerspanen daneben. Seine Stärke liegt bei engen Toleranzen und bei Metall; der Preis steigt jedoch, sobald die Geometrie verwinkelt wird, und Späne fallen reichlich an. Gegen die Fräse punktet der Druck deshalb bei komplizierten Formen und bei sehr kleinen Mengen. Gegen den Spritzguss verlieren beide, sobald die Auflage groß genug wird.
Gleiche Teile über die ganze Serie
Eine Kleinserie taugt nur, wenn Teil 40 so ausfällt wie Teil 1. Der Weg dahin heißt: einmal eine Ausführung festlegen und dann nichts mehr daran drehen. Dasselbe Material, dieselbe Ausrichtung, dieselbe Schichthöhe, dieselben Einstellungen für jedes Exemplar. Dann stimmt nicht nur das Aussehen, sondern auch das Verhalten — Passung und Festigkeit eingeschlossen.
Zwischen den Verfahren gibt es einen Unterschied in der Streuung. FDM arbeitet mit thermischer Schwindung und landet erfahrungsgemäß bei etwa ± 0,5 %; SLA wiederholt sich enger und liegt um ± 0,15–0,3 %. Beides sind Erfahrungswerte, keine zugesicherten Toleranzen. Bei maßkritischen Serien nehmen wir das in die Abwägung mit auf.
Für kritische Maße und Passungen gilt eine Regel ohne Ausnahme: ein Musterteil vorweg. Passt es, läuft der Rest in genau dieser Ausführung durch. Eine Korrektur greift dann einmal und nicht erst, wenn eine ganze Charge vor dir liegt. In der Fertigung nennt man diesen Schritt Nullserie.
Die Materialwahl zählt mal die Stückzahl
In einer Serie multipliziert sich jede Entscheidung. Ist der Kunststoff den Einsatzbedingungen nur knapp nicht gewachsen, dann hast du diesen Mangel nicht einmal, sondern hundertmal. Also lohnt es, genau hinzusehen: PLA trägt Sichtteile und leichte Last, PETG das zähe Gebrauchsteil, ABS, ASA und PC alles, was Wärme, Wetter oder höhere Kräfte abbekommt. Wer zusätzlich ein Material nimmt, das zügig und mit wenig Stützen läuft, drückt den Stückpreis gleich mit; was dabei herausspringt, steht unter Teile für die Fertigung optimieren.
Wiederholteile bleiben einfach
Weil alles in der Datei steht, kostet die zweite Auflage keinen neuen Rüstaufwand. In einem Monat, in einem Jahr: dieselbe Ausführung läuft wieder an. Genau das macht Fertigung auf Abruf interessant, etwa bei schwankendem Bedarf oder bei Ersatzteilen, für die niemand Lagerfläche binden will. Ebenso funktioniert der Druck als Zwischenschritt: kleine Serie in den Markt geben, Entwurf nachschärfen, später über eine größere Fertigung entscheiden. Unser Bereich sind einige Dutzend bis einige Hundert Stück, in Absprache; bei mehr frag einfach an, dann sehen wir es uns an.
Häufige Fragen zu Kleinserien
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- Nachbestellen ohne neuen Rüstaufwand
- Weder Werkzeugkosten noch Mindestabnahme
- Eine festgelegte Ausführung für alle Teile