Die Stütze, die Zitrusöl auflöst
Wer ABS mit verwinkelten Überhängen druckt, stellt das Gerüst daneben aus HIPS und legt das Ganze hinterher in Limonen: die Stütze geht weg, das Bauteil bleibt. Zum Standardprogramm bei uns gehört das nicht, deshalb steht HIPS hier als Hintergrund zum Thema Stützen.
Ein leichter, matter Kunststoff im selben Temperaturfenster wie ABS — 230–245 °C an der Düse — mit einer Besonderheit, die ihn nützlich macht: Limonen löst ihn, ABS dagegen nicht. Daraus folgt die Arbeitsteilung beim Druck mit zwei Extrudern. Das Bauteil entsteht in ABS, die Stützstrukturen daneben in HIPS, dann übernimmt das Lösungsmittel. Überhänge und Hohlräume kommen frei, ohne dass irgendwo gehebelt oder geknipst wird. Ausgeschrieben heißt HIPS schlagfestes Polystyrol, englisch high impact polystyrene.
Beim Drucken erbt HIPS die Eigenheiten von ABS: es schwindet, zieht sich an Ecken hoch und dampft aus. Genau das macht die Paarung stimmig — zwei Werkstoffe, ein Fenster. In unserem Programm steht HIPS nicht: FDM läuft bei uns in PLA, PETG, ABS, ASA, PC und flexibel, SLA in Resin. Lösliche Stützen bleiben Spezialarbeit, weil sie zwei Extruder und sorgfältigen Umgang mit Limonen verlangen. Ob dein Teil davon profitiert, klären wir in einer Anfrage und nennen dir eine Adresse, wenn eine besser passt. Die Zahlen weiter unten sind indikative Datenblattwerte.
Werkstoff in Zahlen und Eigenheiten
Steif, leicht, matt — mechanisch bewegt sich HIPS nahe bei ABS. Der Grund, es überhaupt aufzulegen, ist ein anderer: es verschwindet in Limonen, während das Bauteil daneben unberührt bleibt.
Hauptrolle: Gerüst aus dem zweiten Extruder neben ABS
Löst sich in: Limonen (d-Limonen); ABS bleibt unangetastet
Zugfestigkeit: etwa 25–32 MPa, also ABS-Niveau oder knapp darunter
Glasübergang: Tg bei etwa 95–100 °C
Dichte: etwa 1,03–1,05 g/cm³, damit leicht
Beim Drucken: wie ABS: Verzug, Ausgasen, warmer geschlossener Bauraum
Datenblatt, grob gerundet
Übliche Herstellerangaben für HIPS im FDM-Druck. Je Marke verschieden, und für ein konkretes Teil keine Zusage.
HIPS, PVA und ABS in einer Tabelle
Daneben stehen das zweite lösliche Stützmaterial und der Werkstoff, mit dem HIPS meist zusammenarbeitet. Je höher der Wert, desto besser passt die Spalte zur Zeile.
Was für HIPS spricht
- Limonen räumt das Gerüst restlos weg
- Gleiches Temperaturfenster wie ABS
- Leicht, matt, angenehm zu bearbeiten
- Deutlich weniger feuchteempfindlich als PVA
- Auch als Werkstoff für einfache Teile brauchbar
- Überhänge kommen ohne Bruchstellen heraus
Was zu bedenken ist
- Ohne zweiten Extruder nicht machbar
- Verzug und Ausgasen wie bei ABS
- Limonen verlangt Lüftung und Schutz
- Das Auflösen zieht sich hin
- Rundum geschlossene Hohlräume bleiben gefüllt
- Als Endwerkstoff selten die erste Wahl
Warum ausgerechnet Limonen
Das Lösungsmittel entscheidet, welche Paarung überhaupt funktioniert. Limonen greift HIPS an und lässt ABS in Ruhe, und darum sitzen genau diese beiden zusammen im Bauraum. Abgebrochene Stützen hinterlassen Bruchstellen, und in einem engen Kanal kommt die Zange ohnehin nicht an. Löst sich das Gerüst dagegen von selbst auf, bleibt die Fläche so, wie der Drucker sie gelegt hat.
Bei PLA und PETG greift diese Logik nicht; dort übernimmt PVA mit Wasser. Welches der beiden löslichen Materialien in Frage kommt, ist damit keine Geschmacksfrage — der Werkstoff des Bauteils gibt es vor.
Passt HIPS zu deinem Vorhaben?
Dafür geeignet
- Gerüste in Drucken aus ABS
- Kanäle, Gitter und tiefe Hinterschnitte
- Teile, an denen Bruchstellen auffallen würden
- Leichte, matte Hilfsteile und Lehren
Dafür nicht
- Belastbare Endteile auf eigene Rechnung
- Gerüste bei PLA und PETG — dort PVA
- Rundum geschlossene Hohlräume ohne Zugang
- Alles, was draußen stehen soll
Auch wenn es nach Orangenschale riecht, bleibt Limonen ein Lösungsmittel: Fenster auf oder Absaugung an, Handschuhe und Augenschutz an, Reste zum Wertstoffhof und nicht in den Ausguss. Lösliche Stützen in HIPS bleiben damit Spezialarbeit und stehen bei uns nicht im Standardangebot. Leg dein Teil vor, dann sagen wir, ob es sich lohnt.
HIPS ohne Stützrolle
Für sich genommen ist HIPS ein ordentlicher Kunststoff. Leicht, matt, formstabil genug für Modelle, und im Werkzeug angenehm: schleifen, schneiden, bohren und kleben gehen, ohne dass etwas splittert. Industriell steckt es in Tiefziehteilen, in Verpackungen, im Modellbau und in Gehäusen. Als Filament für Produktionsteile bleibt es dennoch eine Randerscheinung, weil PLA, PETG und ABS dasselbe Feld breiter abdecken.
Wer HIPS kauft, kauft in den meisten Fällen also nicht den Werkstoff, sondern seine Löslichkeit. Ein Konkurrent der gängigen Filamente ist es damit nicht, sondern eine Ergänzung für einen bestimmten Fall. Was bei uns tatsächlich auf der Rolle liegt, steht in der Materialübersicht.
Wegbrechen oder auflösen?
Die Frage entscheidet sich an der Geometrie und nicht am Anspruch. Ein Überhang, an den ein Seitenschneider herankommt, braucht kein Lösungsmittel; wegbrechbare Stützen sind schneller gedruckt und kosten weniger. Sobald aber ein Kanal im Inneren liegt, ein Gitter enge Maschen hat oder eine Rippe unter Druck nachgibt, kehrt sich das Bild: dann ist die aufgelöste Stütze die einzige, die eine gleichmäßige Fläche zurücklässt.
Auf der anderen Seite der Rechnung stehen der Zeitaufwand und das Lösungsmittel selbst. Limonen verlangt sicheres Arbeiten mit chemischen Stoffen, also Lüftung, Schutz und geordnete Entsorgung. Ob das im Verhältnis steht, zeigt ein Blick auf die Form. Schick uns die Geometrie und schreib dazu, wofür das Teil gedacht ist; wir denken mit und nennen die Alternative, wenn eine besser passt.
Was dazu gefragt wird
Weiterlesen
ABS ist der Partner, PVA der Gegenspieler für PLA und PETG, und unter Stützstrukturen steht das Grundprinzip.
Modell hochladen und dazuschreiben, wo es eng wird
- Einschätzung zur Stützstrategie und zum Werkstoff
- ABS mit HIPS gegen die einfacheren Wege gestellt
- Ein Hinweis auf eine Adresse, wenn wir es nicht selbst machen