Kunst und Dekoration
In der Welt von Kunst und Interior-Design hat 3D-Druck (Additive Manufacturing) eine neue Dimension eröffnet. Während Bildhauerinnen, Bildhauer und Designer jahrhundertelang durch die Grenzen ihrer Werkzeuge und Materialien (subtraktive Methoden) eingeschränkt waren, bietet der 3D-Druck absolute Formfreiheit. Komplexe Geometrien wie mathematische Knoten, Voronoi-Muster und verflochtene Strukturen, die sich unmöglich gießen oder fräsen lassen, können heute auf Knopfdruck realisiert werden.
Parametrisches Design und generative Kunst
Das Zusammenspiel von Algorithmen und Fertigung führt zu parametrischem Design. Dabei entwirft die Künstlerin oder der Künstler nicht die Form selbst, sondern die Regeln (Parameter), denen die Form entsprechen muss. Der Computer erzeugt anschließend Tausende von Variationen.
Dies wird häufig bei modernen Vasen, Lampenschirmen und Wanddekorationen eingesetzt. Die Strukturen sind oft organisch und erinnern an Zellstrukturen oder Knochenwachstum. Da ein 3D-Drucker keine Formen benötigt, kann jedes generierte Objekt ohne Mehrkosten als Unikat produziert werden.
Lithophanie: Spielen mit Licht
Eine spezielle Anwendung innerhalb der 3D-Druckkunst ist die Lithophanie (Lithophane). Dabei handelt es sich um eine Technik, bei der ein Foto in ein Relief aus weißem Kunststoff umgewandelt wird. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein unebenes weißes Bild, doch sobald Licht dahinter scheint, erscheint das Foto in Graustufen. Die dickeren Teile des Kunststoffs lassen weniger Licht durch (dunkel), die dünneren Teile mehr (hell). Dieser Effekt ist nur dank der extrem hohen Schichtgenauigkeit moderner FDM- und SLA-Drucker möglich.
Restaurierung und Repliken
Museen und Kultureinrichtungen setzen 3D-Technologie für den Erhalt von Kunst ein. Durch das Scannen empfindlicher Skulpturen oder Artefakte und deren 3D-Druck können exakte Repliken hergestellt werden, die vom Publikum berührt werden dürfen, während das Original sicher hinter Glas steht. Auch fehlende Teile antiker Möbel oder Skulpturen können rekonstruiert (Reverse Engineering) und in einem Material gedruckt werden, das dem Original ähnelt.
Ästhetische Materialien
Für dekorative Anwendungen ist die mechanische Festigkeit oft zweitrangig gegenüber der visuellen Oberflächenwirkung. Hersteller haben darauf mit speziellen PLA-Blends reagiert:
- Wood-fill: PLA gemischt mit echtem Holzsägemehl (bis zu 40 %). Das Ergebnis fühlt sich wie Holz an, riecht danach und kann geschliffen und gebeizt werden.
- Marble / Stone: Kunststoff mit kleinen Sprenkeln, der das Aussehen von Marmor oder Granit imitiert, ideal für Statuen und architektonische Modelle.
- Silk / Metall-Look: Filamente mit einem extrem hohen Glanzgrad, die wie Seide, Gold, Kupfer oder Bronze wirken, ohne dass eine Nachbearbeitung erforderlich ist.